Omega-3 für Unternehmer: Warum die meisten Fischöl-Kapseln nichts bringen – und welche Dosis laut Studien wirklich wirkt

Du hast eine Packung Omega-3 im Schrank. Vielleicht seit zwei Jahren. Du nimmst sie unregelmässig, weil dir jemand gesagt hat, das sei "gut fürs Herz".
Und du hast keine Ahnung, ob sie irgendetwas bewirkt.
Damit bist du nicht allein. Omega-3 ist nach Vitamin D das meistverkaufte Supplement der Schweiz – und gleichzeitig das am schlechtesten dosierte. Die meisten Führungskräfte, die zu uns nach Adliswil kommen, nehmen eine Dosis, die in keiner einzigen positiven Studie verwendet wurde.
Das Ergebnis: Sie zahlen jeden Monat für ein Produkt, das in ihrer Dosierung nachweislich nichts tut. Und sie glauben trotzdem, sie hätten das Thema abgehakt.
Dieser Artikel räumt damit auf. Kein Hype, keine Panikmache – nur das, was Meta-Analysen und grosse randomisierte Studien tatsächlich zeigen. Inklusive der unbequemen Stellen, an denen Omega-3 weniger kann, als die Werbung verspricht.
Das Hauptproblem: Du misst nicht, also weisst du nichts
Bei Cholesterin lässt du messen. Bei Blutdruck lässt du messen. Beim Blutzucker lässt du messen.
Bei Omega-3 rätst du.
Genau das ist der Kern des Problems. Omega-3 ist kein Medikament mit fixer Wirkung, sondern ein Nährstoff mit einem Zielwert im Blut. Und dieser Zielwert lässt sich messen – über den sogenannten Omega-3-Index, den Anteil von EPA und DHA in der Membran deiner roten Blutkörperchen.
Harris und von Schacky schlugen bereits 2004 einen Zielkorridor von über 8 Prozent vor, während Werte von 4 Prozent oder darunter mit dem höchsten Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt verbunden waren (Harris & von Schacky 2004).
Die globale Bestandsaufnahme von Stark und Kollegen über 298 Studien zeigte anschliessend: Weite Teile Europas, Nordamerikas und des Nahen Ostens liegen im niedrigen Bereich – häufig bei oder unter 4 Prozent (Stark 2016). Das Update der Weltkarte von 2024 bestätigte dieses Bild für die meisten europäischen Länder: niedrig bis moderat, weit entfernt vom Zielkorridor (Schuchardt 2024).
Übersetzt in deinen Alltag heisst das: Die Wahrscheinlichkeit, dass du als Schweizer Führungskraft mit einer normalen Restaurant- und Kantinenernährung im grünen Bereich liegst, ist gering. Es sei denn, du isst mehrmals pro Woche fetten Seefisch – und das tun die wenigsten Unternehmer, die zwischen Zürich Enge, Wollerau und einem Flughafen-Terminal pendeln.
Der Punkt ist nicht, dass du sicher einen Mangel hast. Der Punkt ist, dass du es schlicht nicht weisst – und trotzdem seit Jahren eine Dosis nimmst, die du nie überprüft hast.

Die wissenschaftliche Erklärung: Was Omega-3 kann – und was nicht
Hier wird es unbequem. Denn die Evidenzlage zu Omega-3 ist kein einheitlicher Block. Sie zerfällt in drei sehr unterschiedliche Bereiche.
1. Blutfette: Hier ist die Wirkung eindeutig
Das ist der am besten belegte Effekt. Die American Heart Association fasste 2019 in einem eigenen Science Advisory zusammen: 4 Gramm pro Tag verschreibungspflichtiges Omega-3 senken die Triglyceride bei erhöhten Ausgangswerten um 20 bis 30 Prozent – bei sehr hohen Werten sogar um mehr als 30 Prozent (Skulas-Ray 2019).
Eine kontinuierliche Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse bestätigte diesen linearen Zusammenhang: Je mehr marines Omega-3, desto niedriger die Triglyceride und das Non-HDL-Cholesterin (JAHA 2023).
Merke dir die Grössenordnung: 4 Gramm. Nicht 500 Milligramm. Das ist der Unterschied zwischen einer wirksamen und einer symbolischen Dosis.
2. Herzinfarkt und Schlaganfall: Hier wird es kompliziert
Jetzt die schlechte Nachricht für alle, die Fischöl als Herzschutz-Versicherung nehmen.
Der Cochrane-Review von Abdelhamid und Kollegen – die methodisch strengste Zusammenfassung überhaupt – kam zum Schluss, dass eine erhöhte Zufuhr von marinem Omega-3 die Gesamtsterblichkeit und kardiovaskuläre Ereignisse kaum oder gar nicht beeinflusst (Abdelhamid 2020).
Eine aktualisierte Meta-Analyse über 13 randomisierte Studien mit 127'477 Teilnehmern fand zwar kleine, statistisch signifikante Risikoreduktionen für Herzinfarkt und koronare Herzkrankheit – aber in einer Grössenordnung, die im Einzelfall wenig spürbar ist (Hu 2019).
Die grosse VITAL-Studie mit 840 Milligramm EPA plus DHA täglich über gut fünf Jahre zeigte in der Gesamtauswertung keine Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Manson 2019). Interessant: In der Untergruppe mit niedrigem Fischkonsum zeigte sich ein Vorteil. Wer ohnehin viel Fisch isst, hat vom Zusatz wenig zu gewinnen.
Dann kommen die beiden Hochdosis-Studien, die sich widersprechen. REDUCE-IT mit 4 Gramm reinem EPA zeigte eine 25-prozentige Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse bei Statin-Patienten mit erhöhten Triglyceriden (Bhatt 2019). STRENGTH mit einer EPA-DHA-Kombination in ähnlicher Dosis wurde dagegen wegen Aussichtslosigkeit abgebrochen – kein Nutzen (Nicholls 2020).
Die Debatte darüber, ob der Unterschied am Wirkstoff oder am Placebo lag, ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Ehrliche Einordnung: Für dich als gesunde Führungskraft ohne Herzerkrankung ist Omega-3 kein Infarktschutz. Es ist ein Werkzeug für Blutfette und Basisversorgung.
3. Die Nebenwirkung, die kaum jemand erwähnt: Vorhofflimmern
Das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Die Meta-Analyse von Gencer und Kollegen über sieben grosse kardiovaskuläre Endpunktstudien fand ein um rund 25 Prozent erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern unter Omega-3-Supplementierung – mit einem klaren Dosisbezug (Gencer 2021).
Das heisst nicht, dass du Omega-3 meiden musst. Es heisst, dass die Hochdosis von 4 Gramm eine medizinische Entscheidung ist und keine Selbstmedikation aus dem Onlineshop. Wenn du Herzrhythmusstörungen in der Vorgeschichte hast, gehört diese Dosis in ärztliche Hände.
4. Muskulatur und Kraft: Der unterschätzte Bereich
Hier wird es für dich als trainierender Unternehmer interessant.
Smith und Kollegen gaben gesunden Erwachsenen zwischen 60 und 85 Jahren sechs Monate lang 3,36 Gramm EPA plus DHA täglich. Ergebnis: rund 3,5 Prozent mehr Oberschenkel-Muskelvolumen und etwa 6 Prozent mehr Kraft im Vergleich zur Kontrollgruppe – ohne zusätzliches Training (Smith 2015).
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zu Omega-3 allein und in Kombination mit Krafttraining bei älteren Erwachsenen bestätigte positive Effekte auf Muskelmasse und Kraft (Cornish 2022).
Wichtige Einschränkung: Die stärksten Effekte zeigen sich bei älteren Menschen. Bei jungen, gut trainierten Sportlern ist die Datenlage deutlich schwächer. Wenn du über 45 bist, sitzend arbeitest und gegen den altersbedingten Muskelabbau ankämpfst, ist das trotzdem ein relevanter Zusatznutzen – aber immer als Ergänzung zu Krafttraining, nie als Ersatz.
5. Regeneration: Messbar, aber nicht spürbar
Eine Meta-Analyse randomisierter Studien fand eine signifikante Reduktion von Muskelkater nach exzentrischer Belastung unter Omega-3 – allerdings mit einem Effekt, der unter der klinisch relevanten Schwelle lag (Lv 2020).
Übersetzt: Statistisch nachweisbar, im Alltag kaum bemerkbar. Wer Omega-3 wegen der Regeneration kauft, kauft aus dem falschen Grund.
Praxisbeispiele: Drei typische Fälle aus Adliswil
Der Symbolik-Nehmer. Ein Geschäftsführer aus Thalwil, 51, nimmt seit vier Jahren eine Kapsel mit 300 Milligramm EPA plus DHA täglich. Er ist überzeugt, "etwas für sein Herz zu tun". Rechnerisch liegt er bei knapp einem Zehntel der Dosis aus den positiven Studien. Nach der Umstellung auf eine sinnvolle Dosis plus zwei Fischmahlzeiten pro Woche verbessert sich sein Blutfettprofil im nächsten Befund messbar – zum ersten Mal seit Jahren.
Der Hochdosis-Selbstversuch. Ein Unternehmer aus Baar, 44, liest von REDUCE-IT und beginnt auf eigene Faust mit 4 Gramm täglich. Was er nicht liest: dass diese Studie an Statin-Patienten mit erhöhten Triglyceriden durchgeführt wurde und dass Hochdosis-Omega-3 mit erhöhtem Vorhofflimmer-Risiko einhergeht. Er hat einen normalen Triglyceridwert und keinerlei Indikation. Die Empfehlung: zurück auf eine Basisdosis, Werte messen, dann entscheiden.
Die Kandidatin, bei der es wirklich passt. Eine Selbstständige aus Kilchberg, 57, in der Postmenopause, mit erhöhten Triglyceriden und beginnendem Kraftverlust. Hier greifen mehrere Evidenzstränge gleichzeitig: Blutfettsenkung, Muskelerhalt, Basisversorgung. In Kombination mit zwei Krafteinheiten pro Woche im Private Gym und einer strukturierten Proteinzufuhr ist Omega-3 hier tatsächlich ein sinnvoller Baustein – kein Placebo.
Der Unterschied zwischen diesen drei Fällen ist nicht das Produkt. Es ist die Frage, ob jemand vorher gemessen und nachgedacht hat.
Häufige Fehler
Du schaust auf die Kapselgrösse statt auf EPA und DHA. Eine "1000 mg Fischöl"-Kapsel enthält oft nur 180 mg EPA und 120 mg DHA. Der Rest ist Trägeröl. Entscheidend ist ausschliesslich die Summe aus EPA und DHA auf der Rückseite der Packung.
Du nimmst die Dosis vom Etikett statt die Dosis aus den Studien. Die Standardempfehlung auf Packungen liegt fast immer weit unter dem, was in wirksamen Studien eingesetzt wurde.
Du nimmst die Kapseln nüchtern. Omega-3 ist fettlöslich. Ohne eine fetthaltige Mahlzeit sinkt die Aufnahme deutlich. Nimm sie zur grössten Mahlzeit des Tages.
Du erwartest Herzschutz, wo keiner belegt ist. Für die primäre Prävention ist die Evidenz schwach. Wer Omega-3 als Ersatz für Blutdruck-, Cholesterin- oder Gewichtsmanagement betrachtet, betrügt sich selbst.
Du ignorierst die Hochdosis-Risiken. 4 Gramm täglich ohne ärztliche Abklärung ist keine gute Idee – besonders bei Herzrhythmusstörungen oder blutverdünnenden Medikamenten.
Du lagerst das Öl falsch. Omega-3 oxidiert. Ranzige Kapseln riechen und schmecken nach Fisch. Wenn du aufstossen musst, ist das oft ein Qualitäts- und kein Dosierungsproblem. Kühl und dunkel lagern.
Du nimmst Leinöl und glaubst, das sei dasselbe. Pflanzliche ALA wird im Körper nur zu wenigen Prozent in EPA und praktisch kaum in DHA umgewandelt. Für den Omega-3-Index ist Leinöl kein Ersatz für marines Omega-3.
Du misst nie nach. Ohne Ausgangswert und Kontrollwert bleibt alles Vermutung – bei einem Nährstoff, der sich für unter hundert Franken bestimmen lässt.

Konkreter Umsetzungsplan: 8 Schritte für die nächsten 90 Tage
Nimm deine aktuelle Packung in die Hand. Rechne aus, wie viel EPA plus DHA du tatsächlich pro Tag zu dir nimmst. Nicht Fischöl gesamt – nur EPA plus DHA. Bei den meisten liegt die Zahl unter 500 Milligramm.
Lass den Omega-3-Index bestimmen. Der Test kostet wenig, ist über den Hausarzt oder spezialisierte Labore verfügbar und gibt dir zum ersten Mal eine Zahl statt eines Gefühls. Zielkorridor: über 8 Prozent.
Bring zuerst das Essen in Ordnung. Zwei Portionen fetter Seefisch pro Woche – Lachs, Makrele, Hering, Sardinen – liefern die Basis. Das ist billiger und wirksamer als jede Kapsel und lässt sich auch im Business-Lunch am Zürichsee umsetzen.
Setze eine sinnvolle Basisdosis an. Wenn du kaum Fisch isst, liegt eine Ergänzung im Bereich von etwa 1 bis 2 Gramm EPA plus DHA täglich deutlich näher an der Studienlage als 300 Milligramm. Für alles darüber gilt Schritt 5.
Kläre eine Hochdosis ärztlich ab. 4 Gramm täglich gehört in den Bereich, in dem Triglyceride, Herzrhythmus und Medikamente mitbeurteilt werden müssen. Das ist eine Entscheidung mit deinem Arzt, nicht mit einem Blogartikel.
Nimm sie konsequent zur Hauptmahlzeit. Ein fixer Anker – zum Beispiel immer zum Mittagessen – schlägt jede gute Absicht. Konsistenz über 12 Wochen ist wichtiger als die perfekte Dosis.
Zieh die grossen Hebel parallel. Omega-3 ist ein Feinschliff. Der Hauptteil deiner Blutfette, deiner Körperzusammensetzung und deiner Leistungsfähigkeit kommt aus Krafttraining, Schlaf und Kalorienbilanz. Unser Ernährungscoaching setzt genau in dieser Reihenfolge an.
Miss nach 12 Wochen erneut. Der Omega-3-Index reagiert innerhalb von etwa drei Monaten. Erst der zweite Wert sagt dir, ob deine Dosis funktioniert – oder ob du weiter Geld verbrennst.
FAQ
Wie viel Omega-3 sollte ich als Unternehmer täglich nehmen?
Die ehrliche Antwort: Das hängt davon ab, wie viel Fisch du isst und wo dein Ausgangswert liegt. Wer zwei- bis dreimal pro Woche fetten Seefisch isst, braucht in der Regel keine Kapseln. Wer praktisch keinen Fisch isst, liegt mit rund 1 bis 2 Gramm EPA plus DHA täglich deutlich näher an der Studienlage als mit den 300 bis 500 Milligramm, die auf den meisten Packungen stehen. Die 4-Gramm-Dosis aus den Blutfett-Studien ist eine medizinische Dosierung für Menschen mit erhöhten Triglyceriden und keine Basisempfehlung für Gesunde (Skulas-Ray 2019). Entscheidend ist, dass du auf der Packung nicht die Gesamtmenge Fischöl liest, sondern die Summe aus EPA und DHA – die liegt oft bei einem Drittel des grossen Werts auf der Vorderseite.
Schützt Omega-3 wirklich vor einem Herzinfarkt?
Deutlich weniger, als die Werbung suggeriert. Der Cochrane-Review kam zum Schluss, dass zusätzliches marines Omega-3 die Gesamtsterblichkeit und kardiovaskuläre Ereignisse kaum oder gar nicht verändert (Abdelhamid 2020). Grosse Einzelstudien wie VITAL fanden in der Gesamtauswertung ebenfalls keinen Effekt auf schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Manson 2019). Positive Signale gibt es vor allem bei Hochrisikopatienten mit erhöhten Triglyceriden unter Statintherapie (Bhatt 2019) – und selbst dort widersprach eine Parallelstudie diesem Befund (Nicholls 2020). Wenn dein Ziel Herzgesundheit ist, sind Blutdruck, LDL-Cholesterin, Körperfett, Rauchstopp und Krafttraining ungleich stärkere Hebel als eine Kapsel.
Kann Omega-3 mir beim Muskelaufbau helfen?
Als Verstärker ja, als Motor nein. Bei älteren Erwachsenen führten 3,36 Gramm EPA plus DHA über sechs Monate zu etwa 3,5 Prozent mehr Oberschenkel-Muskelvolumen und rund 6 Prozent mehr Kraft – und zwar ohne zusätzliches Training (Smith 2015). Eine Meta-Analyse zu Omega-3 allein und kombiniert mit Krafttraining bestätigte positive Effekte bei älteren Erwachsenen (Cornish 2022). Bei jungen, gut trainierten Menschen ist die Evidenz deutlich schwächer. Wenn du über 45 bist und gegen den schleichenden Kraftverlust arbeitest, ist Omega-3 ein sinnvoller Baustein – aber der Effekt von zwei strukturierten Krafteinheiten pro Woche ist um ein Vielfaches grösser. Reihenfolge: erst Training, dann Protein, dann Omega-3.
Ist mehr Omega-3 immer besser?
Nein, und das ist der am häufigsten übersehene Punkt. Eine Meta-Analyse grosser kardiovaskulärer Endpunktstudien fand unter Omega-3-Supplementierung ein um rund 25 Prozent erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, mit klarem Dosisbezug (Gencer 2021). Vorhofflimmern ist keine Bagatelle – es erhöht das Schlaganfallrisiko. Hinzu kommt eine leicht verlängerte Blutungszeit, was bei blutverdünnenden Medikamenten oder anstehenden Operationen relevant ist. Praktisch heisst das: Eine Basisdosis im Bereich von 1 bis 2 Gramm ist für die allermeisten unproblematisch. Alles darüber gehört ärztlich begleitet, besonders wenn du Herzrhythmusstörungen kennst oder in der Familie hast.
Fisch essen oder Kapseln nehmen – was ist besser?
Fisch, wo immer es geht. In der VITAL-Studie zeigte sich ein Vorteil der Supplementierung vor allem in der Gruppe mit niedrigem Fischkonsum (Manson 2019) – ein Hinweis darauf, dass Kapseln vor allem eine Lücke schliessen und nicht einen Bonus obendrauf liefern. Fisch bringt zusätzlich Protein, Jod, Selen und Vitamin D mit. Zwei Portionen fetter Seefisch pro Woche sind auch mit vollem Kalender machbar: Lachs oder Makrele im Business-Lunch, Sardinen aus der Dose am Abend, wenn es schnell gehen muss. Wenn du realistisch weisst, dass du das nicht schaffst – und viele Unternehmer zwischen Horgen, Zug und Flughafen schaffen es nicht – dann ist die Kapsel die pragmatische Lösung. Aber dann in einer Dosis, die zählt.
Woran erkenne ich ein gutes Omega-3-Produkt?
An drei Dingen. Erstens: die deklarierte Menge EPA plus DHA pro Tagesdosis, nicht die Gesamtmenge Fischöl. Zweitens: ein Nachweis zur Oxidationsstabilität, meist als TOTOX- oder Peroxidwert angegeben. Omega-3-Fettsäuren sind chemisch empfindlich und werden bei falscher Lagerung ranzig – ein fischiges Aufstossen ist häufig ein Qualitätssignal und kein Dosierungsproblem. Drittens: eine unabhängige Prüfung auf Schwermetalle und Schadstoffe. Die Darreichungsform als Triglycerid oder Ethylester wird viel diskutiert; praktisch relevanter ist, dass du das Produkt konsequent zu einer fetthaltigen Mahlzeit nimmst und kühl und dunkel lagerst.
Wie schnell sehe ich Ergebnisse?
Der Omega-3-Index steigt über etwa zwei bis drei Monate an, weil sich die Fettsäuren in den Membranen der roten Blutkörperchen einlagern und diese Zellen eine entsprechende Lebensdauer haben. Triglyceridsenkungen sind nach vier bis acht Wochen im Blutbefund sichtbar. Muskeleffekte, wenn sie eintreten, brauchen Monate – in der Studie von Smith waren es sechs (Smith 2015). Was du hingegen nicht erwarten solltest, ist ein spürbarer Energie- oder Fokusschub in der ersten Woche. Wenn du den erlebst, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Placeboeffekt. Omega-3 arbeitet leise, langsam und messbar – aber nicht spürbar.
Fazit
Omega-3 ist weder das Wundermittel noch der Betrug, als der es abwechselnd verkauft wird.
Es ist ein Nährstoff mit einem messbaren Zielwert, einer klaren Dosis-Wirkungs-Beziehung bei Blutfetten, einem realen Zusatznutzen für die Muskulatur im mittleren und höheren Alter – und mit deutlich weniger Herzschutz, als die Packung suggeriert.
Der eigentliche Fehler ist nicht, Omega-3 zu nehmen. Der Fehler ist, es in einer Dosis zu nehmen, die in keiner Studie funktioniert hat, und dabei zu glauben, das Thema sei erledigt.
Miss deinen Wert. Iss mehr Fisch. Dosiere nach Studienlage statt nach Etikett. Und behandle die Kapsel als das, was sie ist: der letzte Prozentpunkt – nicht die ersten achtzig.
Die ersten achtzig Prozent kommen aus Krafttraining, Schlaf, Proteinzufuhr und Körperfettanteil. Genau daran arbeiten wir mit Unternehmern und Führungskräften in Adliswil – in dieser Reihenfolge.
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Wissenschaftliche Quellen
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Skulas-Ray AC, Wilson PWF, Harris WS, Brinton EA, Kris-Etherton PM, Richter CK et al. (2019). Omega-3 Fatty Acids for the Management of Hypertriglyceridemia: A Science Advisory From the American Heart Association. Circulation 140:e673–e691. doi.org/10.1161/CIR.0000000000000709
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Hu Y, Hu FB, Manson JE (2019). Marine Omega-3 Supplementation and Cardiovascular Disease: An Updated Meta-Analysis of 13 Randomized Controlled Trials Involving 127'477 Participants. Journal of the American Heart Association 8:e013543. doi.org/10.1161/JAHA.119.013543
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